7. Juli 2021 | von Lara Zamilski

Kriegszeiten

Heute hat John Piper in einem Ask Pastor John eine interessante Frage zum Thema Gebet beantwortet: Warum gemütliche Christen gebetslos leben. Ganz oft erwische ich mich selbst dabei, wie ich im Alltag das Gebet vernachlässige und vergesse, auf Gott zu schauen. Deshalb ist es so essentiell für uns alle zu wissen, was uns nahe bei unserem Herrn im Gebet hält, und wie wir vor Augen behalten können, dass wir diese Zeiten vor Gott so unbedingt brauchen.

Zuerst einmal müssen wir wirklich verstehen, dass wir uns im Krieg befinden. Doch es ist kein sichtbarer Krieg – wir sehen keine Bomben um uns herum fallen, hören keine Schüsse, müssen keinen Tretminen ausweichen und am Horizont sehen wir keinen Rauch aufsteigen. Trotzdem befinden wir uns in Kriegszeiten.

In Epheser 6, 12 heißt es: „Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen ⟨Mächte⟩ der Bosheit in der Himmelswelt.“

Im Vers darauf nennt Paulus sogar eine Waffenrüstung, die wir anlegen solle, um in diesem Krieg, der unser Leben beherrscht, standhalten zu können. Piper merkt jedoch an: „Die meisten Menschen glauben das nicht. Wie soll man sie jemals zum Beten bringen, wenn sie nicht daran glauben? Ich meine, sie werden sagen, dass sie es glauben, aber beobachtet ihr Leben. Es gibt eine friedliche, unbekümmerte Lässigkeit in der Kirche, eine Lässigkeit über geistliche Dinge […] Es ist alles gut in Amerika, dem Disneyland des Universums. Warum beten?“

Ja, warum beten, wenn wir um uns herum nur Frieden und Gemütlichkeit sehen? Genau das ist der Punkt: wir müssen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass wir eben nicht zu Friedenszeiten leben.

“In Kriegszeiten bringen die Zeitungen Schlagzeilen darüber, wie es den Truppen geht. In Kriegszeiten kommen Familien zusammen und sprechen über die Söhne und Töchter an der Front, und sie beten mit schmerzlicher Sorge um ihre Sicherheit. In Kriegszeiten sind sie alarmiert, bewaffnet und wachsam. In Kriegszeiten geben sie ihr Geld ganz anders aus als in Friedenszeiten. Es gibt Sparsamkeit und Einfachheit im Leben, nicht weil diese Dinge an sich wertvoll sind, sondern weil es etwas so Bedeutendes gibt, eine großartige Sache, für die man sein Geld ausgeben kann, anstatt seine Bude zu polstern […] Alles ändert sich in Kriegszeiten.“

Was sind die Konsequenzen, wenn wir nicht glauben, dass wir tatsächlich in einem geistlichen Kampf leben? „Die Leute glauben nicht, dass wir uns in einem Krieg befinden, der schlimmer ist als der Zweite Weltkrieg, der schlimmer ist als jeder vorstellbare nukleare Dritte Weltkrieg. Die Opfer verlieren nicht nur einen Arm, sie verlieren nicht nur ein Bein, sie verlieren nicht nur ein Leben; sie verlieren alles für immer in der Hölle. Wenn wir glauben würden, dass das Leben ein Krieg ist, wie anders würden die Dinge sein.“

Wenn die Dinge sich verändern sollen, müssen wir uns mit der Waffenrüstung aus Epheser 6 beschäftigen. Wir müssen uns genau anschauen, wie wir in diesem Krieg agieren sollen, um ihn zu gewinnen. „Nehmt auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist Gottes Wort! Mit allem Gebet und Flehen betet zu jeder Zeit im Geist, und wacht hierzu in allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen“ (Epheser 6, 17-18).

Gleich in diesen Versen wird unglaublich deutlich, wie essentiell das Gebet ist. „Das Gebet ist die Kraft, die die Waffe schwingt. „Nehmt … das Schwert des Geistes … mit allem Gebet.” Nimm es, das Gebet – richtig? Das Gebet ist die Kraft, die die Waffen der Kriegsführung schwingt. Das Gebet ist kein gewöhnliches Gerät.“

Auch wenn Gebet kein gewöhnliches Gerät ist, so ist es doch ein Gerät für jeden Christen, für jedes Kind Gottes und für jeden, der seine Abhängigkeit von Gott erkannt hat. Gebet ist nicht für geistliche Helden, für außergewöhnliche Nachfolger Jesu, für die Riesen im Glauben. Gott hat es uns geben, dir und mir, damit wir jeder Zeit, an jedem Ort, in jeder Situation mit ihm reden können. Wir müssen nicht erst große Werke vollbringen und unser Leben selbst auf die Reihe, bevor wir zu ihm kommen dürfen. Nein! Gott kommt zu uns, er holt uns ab, er kommt uns immer entgegen und wir dürfen mit ihm reden wie mit einem Freund.

Trotzdem geht es auch ganz leicht, Gebet für verdrehte Zwecke zu missbrauchen. „Ein Grund, warum das Gebet in den Händen von Gläubigen nicht funktioniert, ist, dass sie versuchen, ein Walkie-Talkie aus dem Krieg zu nehmen und es in eine häusliche Gegensprechanlage zu verwandeln, mit der sie das Dienstmädchen anrufen, damit es ein weiteres Kopfkissen bringt. Es funktioniert nicht. Es ist für Panzer gemacht. Es ist für Schützengräben gemacht. Es ist für den Krieg gemacht. Es wird nicht funktionieren, wenn du es in deiner Jacht installieren. Es wird im Ferienhaus am See nicht funktionieren. Es wird nicht im zweiten und dritten und vierten Auto funktionieren.“

Hier liegt das Problem: wir haben nicht nur aufgehört, an einen geistlichen Krieg zu glauben. Wir haben auch aufgehört, Gebet für den Willen und den Plan Gottes zu verwenden. Stattdessen kreisen wir wieder um uns selbst, um unser eigenes kleines Reich, um unsere Wünsche, unsere Pläne, unsere Zukunft. Und dann jammern wir, wenn wir Gottes Stimme nicht hören.

„Sie haben aufgehört, an den Krieg zu glauben. Das Leben ist Frieden, nicht Krieg. Es gibt keine Dringlichkeit; es gibt keine Wachsamkeit; es gibt keine strategische Planung – nur einfachen friedensmäßigen Wohlstand. Sie nehmen das Walkie-Talkie und versuchen, es an häuslichen Orten zu installieren, an luxuriösen Orten, und es funktioniert nicht. Sie können nicht herausfinden, warum es nicht funktioniert. Es hat eine Fehlfunktion. Sie bekommen keine Signale.“

„Wenn wir eine Gebetsbewegung in unseren Gemeinden und Städten mobilisieren wollen, wenn wir einfach ein Herz für das Gebet aufrechterhalten wollen, dann müssen wir einfach glauben und fühlen, dass das Leben Krieg ist. Wir müssen eine Kriegsmentalität in unsere Köpfe bekommen und die Friedensmentalität, die uns den ganzen Tag durch Fernsehen und Radio und die Zeitungen und Zeitschriften eingetrichtert wird, aus unseren Köpfen vertreiben. Sie alle sagen: “Glaubt es nicht. Polstere dein Leben.” “‘Friede, Friede’, wenn kein Friede da ist” (Jeremia 6,14; 8,11). Solange wir nicht die Verzweiflung eines Bombenangriffs und den Nervenkitzel einer neuen strategischen Offensive spüren, werden wir nie mit dem Geist Jesu beten. Das ist Punkt Nummer eins.“

Kommen wir also wieder dorthin zurück, wo uns bewusst ist, in welchen Zeiten wir leben: in Kriegszeiten, nicht im Frieden. Kehren wir gemeinsam von unseren Wegen, Träumen und Plänen um und fragen und suchen wir nach Gottes Wille, nach seinem Reich, nach seiner Herrschaft! Wir sind absolut abhängig von ihm und wird eine Freude sein, nach seinem Willen zu fragen und sein Reich aufgerichtet zu sehen. Dann werden wir erleben, wie unser Gebetsleben sich verändert.

Bibliografie:

Bibelzitate folgen dem Bibeltext der Elberfelder Übersetzung.

Piper, John. “Why Comfortable Christians Go Prayerless.” 7. Juli 2021. Übersetzt von Lara Zamilski. Link: desiringgod.org/interviews/why-comfortable-christians-go-prayerless (Zugriff: 7. Juli 2021).